Unser Haus

Studentenverbindung Bonn Borusso-Westfalia Haus 2011Wer als akti­ves Mit­glied unse­rer Ver­bin­dung das Glück hatte, ein Zimmer im Borus­so-West­fa­len­haus zu bewoh­nen, kann sehr wohl von sich behaup­ten, eine Zeit lang eine der vor­nehms­ten Adres­sen Euro­pas die seine genannt zu haben.

Die Pop­pels­dor­fer Allee bildet die nörd­li­che Grenze der Bonner “Süd­stadt”, einem grün­der­zeit­li­chen Wohn­vier­tel, das eine archi­tek­to­ni­sche Kost­bar­keit von euro­päi­schem Rang ist. Von Krieg und Sanie­rungs­wut fast unbe­rührt, blie­ben die zumeist herr­schaft­li­chen Häuser so erhal­ten, wie sie zwi­schen 1860 und dem Beginn des ersten Welt­krie­ges gebaut wurden. Ihre Fas­sa­den spie­geln das bür­ger­li­che Selbst­be­wusst­sein des “fin de siècle” und der “belle époque” wieder. Hinter den schmie­de­ei­ser­nen Zäunen der Vor­gär­ten und dem Laub der Kas­ta­ni­en impo­nie­ren sie mit Adlern und Zinnen.

Der grün­der­zeit­li­che Bau­boom erreich­te in den Jahren zwi­schen 1890 und 1905 seinen Höhe­punkt. In dieser Zeit wurde auch unser Haus gebaut. Hier wohnte das geho­be­ne Bür­ger­tum: Beamte, Pro­fes­so­ren, Kauf­leu­te, Ärzte, Anwäl­te, reiche Pen­sio­nä­re. Für sie wurden die meis­ten Häuser als Spe­ku­la­ti­ons­bau­ten hinter stan­des­ge­mä­ßen Fas­sa­den errich­tet. Beein­dru­ckend ist die Tiefe der Fun­da­men­te mit ihren Gewöl­ben, mit­tel­al­ter­lich anmu­tend, geeig­net zum laut­star­ken Feiern und zum pro­fes­sio­nel­len Ein­la­gern von gutem Wein.

Die Pop­pels­dor­fer Allee ist die exakt einen Kilo­me­ter lange “Barock-Achse” zwi­schen der ehe­ma­li­gen kur­fürst­li­chen Resi­denz (das heu­ti­ge Haupt­ge­bäu­de der Uni­ver­si­tät) und dem Pop­pels­dor­fer Lust­schloss. Napo­le­on nahm einst auf der Allee Para­den ent­ge­gen, und hier zu wohnen war zur Jahr­hun­dert­wen­de wie jetzt etwas Beson­de­res.

Studentenverbindung Bonn Borusso-Westfalia HausEnt­spre­chend präch­tig geben sich die Fas­sa­den. So ist auch unser Ver­bin­dungs­haus mit seinen gie­bel­ge­krön­ten Zie­gel­türm­chen und Erkern Teil einer “Palais­fas­sa­de” im Stil der Neu­renais­sance, die sich ein Haus­paar spie­gel­bild­lich teilt. Doch die Nach­bar­schaft war zum Teil noch exklu­si­ver. Gegen­über befin­det sich die ehe­ma­li­ge Resi­denz der Ban­kiers Roth­schild-Simon, ein impo­san­tes palast­ar­ti­ges Dop­pel­haus. Dann ist da noch die Alte Stern­war­te, einem von Carl Fried­rich Schin­kel ent­wor­fe­nen Back­stein­bau, von dem der Astro­nom Fried­rich Wil­helm Arge­lan­der seine berühm­te “Bonner Durch­mus­te­rung” des Ster­nen­him­mels vor­nahm.

Unser Haus, einst von einer Kauf­manns­fa­mi­lie gebaut, ging 1957 in den Besitz der Borus­so-West­fa­lia über. Seit­her ist es zur tem­po­rä­ren Heimat vieler Stu­den­ten­ge­nera­tio­nen gewor­den, und all die Geschich­ten und Anek­do­ten, die es gese­hen hat, könn­ten Bände füllen.